
Kick-off-Event am Jungfraujoch
Die totale Vermarktung der Alpen
Zwei mit Prominenten besetzte Fußballteams sollen am 8. Juni 2007 in fast 3500 m Höhe bei einem Fußballspiel gegeneinander antreten auf Europas größtem Gletscher. Das Spiel dient der Werbung für die Europameisterschaften in der Schweiz und Österreich, die 2008 genau ein Jahr später beginnen sollen.
Der Ort ist passend zum Anlass gewählt: Top of Europe" heißt das Jungfraujoch, die Bergstation der gleichnamigen Bahn samt Restaurant, Eispalast, Ausstellungsraum und Aussichtsplattform auf dem Sphinx-Felsen. Von Grindelwald oder Wengen kommend, fährt der Zug zur Kleinen Scheidegg, und von dort durch den Eiger hinauf zum Jungfraujoch auf 3471 m. Jenseits des Kammes liegt der Ursprung des knapp 22 km langen Aletschgletschers.
Dies hat den Europäischen Fußballverband UEFA nicht daran gehindert, das Gletschergebiet für eine einmalige PR-Show zu benutzen. Am 8.Juni soll im ewigen Eis ein Kunstrasen ausgerollt und ein Spielfeld angelegt werden, ca. 36 m x 24 m groß, mithin kleiner als ein üblicher Fußballplatz. Ferner ist die Luft zu dünn für lange Sprints, deshalb wird es wohl kein Spiel über 90 Minuten werden. Den Kick-off, d.h. den Anstoß, soll´s auf jeden Fall geben, Genaueres sagen die Veranstalter aber noch nicht. Wir geben keine Informationen zu Details bekannt", wehrt Pascale Vögeli, Sprecherin des Organisationskomitees, alle weiteren Fragen ab.
So auch, ob das Spielfeld über eine Rasenheizung verfügen wird. Bekannt ist hingegen, dass das Feld ursprünglich größer hätte ausfallen und der Kunstrasen an anderer Stelle hätte ausgerollt werden sollen, am Konkordiaplatz. Dort fließen die drei Gletscherströme zusammen, die zusammen den Aletschgletscher bilden. An dieser Stelle ist das Eis immerhin noch trotz allgemeiner Erwärmung - 1000 m dick.
In der ersten Planungsphase war noch vorgesehen, Spieler und Zuschauer mit dem Hubschrauber zum Spielfeld zu fliegen. Eine zweistündige Zugfahrt mit der Jungfraubahn und dann auch noch eine Gletscherwanderung für sämtliche Aktiven, Offiziellen sowie nicht zuletzt die Medienvertreter mit ihrem gesamten Material erschien den Veranstaltern doch nicht zumutbar.
Bereits in normalen Zeiten gibt es im Unesco-Weltnaturerbe sieben Gebirgslandeplätze für das lärmige Heliskiing und andere touristische Landungen.
Das Projekt am Konkordiaplatz scheiterte am massiven Protest verschiedener Umweltverbände, z.B. von Pro Natura Bern, von Mountain Wilderness Schweiz oder vom SAC. Immerhin sollen jetzt nach aktuellem Stand (15.05.) alle Transporte zum Jungfraujoch mit der Bahn durchgeführt werden.
Dennoch gelten die Vorbehalte der Umweltverbände, zu denen die Alpenvereine gehören, immer noch. Der Vertreter von Pro Natura Bern, Jan Ryser, hat´s auf den Punkt gebracht: Das ist ein absolut fragwürdiges Signal, ein einziger Werbegag für den Tourismus in der Region und für die EM. Die Alpen werden zur Kulisse degradiert. Das zeigt, wie wenig Respekt die Veranstalter vor der Natur und der Landschaft haben.


