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Hüttentour und Gipfelbesteigungen im Stubaital

„Hüttentour und Gipfelbesteigungen im Stubaital“ hatte Holger das Sommervorhaben der Wandergruppe N betitelt. Und zur Teilnahme in Hamburg-Alpin 2/2007 und 3/2007 eingeladen. Schon im Herbst 2006 stand das Konzept fest. So war es einem glücklichen Zufall zuzuschreiben, dass auch „Panorama“ im Heft 4/2007 (Seite 34 ff.) eine ebenso ausführliche wie spannende Schilderung dieses Kleinods der alpinen Höhenwege seinen Lesern vorstellt. So fällt es dem Verfasser dieses Berichtes nicht ganz leicht, über den hervorragenden Panorama-Bericht hinaus besondere Akzente unserer eigenen Hüttenwanderung herauszuarbeiten, ohne Heinz Zaks  Erzählung in Teilen zu wiederholen.

Nach Übernachtung in Neustift-Kampl (993 m) haben wir am 02.08.2007 zunächst unbeschwert Höhe gewonnen und entschwebten mit der Kreuzjochbahn „Schlick 2000“ von Fulpmes (937 m) bis zur Bergstation auf dem Kreuzjoch (2108 m). Obwohl erst für den folgenden Tag vorgesehen lockte uns das sonnige Wetter bereits an diesem Donnerstag über das Sennjoch (2190 m) und die Graskuppe des Niederen Burgstall (2250 m) auf den Felsgipfel des Hohen Burgstall (2611 m). Dieser Abstecher wurde durch weite Sicht zum Serleskamm mit Serles (2717 m) im Osten, dem Habicht (3277 m) im Süden und die Kalkkögel im Norden reichlich belohnt. Die Entscheidung, den freien Blick auf die Seespitze (2804 m), den südlichsten Gipfel des Kalkkögel-Kamms, noch an diesem Tag zu nutzen, erwies sich als goldrichtig, denn nach der ersten Übernachtung auf der Starkenburger Hütte (2237 m) präsentierte sich der nächste Morgen neblig und regnerisch. Dies verzögerte unseren Aufbruch zur Besteigung der Seespitze auf 11:40 Uhr. Der Weg über das Seejöchl (2518 m) und von dort steil durch mehrere Schuttkare hinauf zur Seespitze war eine erste kleine Herausforderung.

Gemütlicher Hüttenabend

Durch den gemütlichen Hüttenabend (draußen blieb es nasskalt bei 4°) wurden wir aber für diese Unbill entschädigt und konnten nach der zweiten Nächtigung am Samstag frühzeitig bei gebessertem Wetter zur 2.Etappe mit Ziel Franz-Senn-Hütte (2149 m) aufbrechen.

Ab dem (uns schon vom Vortag bekannten) Seejöchl trägt auch der Weg den Namen des Stubaital-Pioniers „Franz Senn“, dessen segensreiches Wirken im Stubai durch mehrere Bilder in der Hütten-Gaststube gewürdigt wird. Nach gut 9 Stunden Pausen einschließender Wanderzeit gelangten wir um 17 Uhr zur Hütte, nicht ohne zuvor noch eine ausgiebige Erbsensuppe-Jause auf der Seduck-Hochalm (2249 m) gemacht zu haben. Hier stieß auch unser neunter Mitwanderer Daniel zu uns.

Am Sonntag war wieder „Sonntagswetter“, und nichts hielt uns auf, um 8 Uhr zur Rinnenspitze (3002 m) aufzubrechen, die durch einen gut gesicherten Weg (Eisentritte und Stahlseile) problemlos zu erreichen ist und deren paradiesischer Rundblick selbst eingefleischte Wanderer verwöhnte. Der Tiefblick zum südlich gelegenen Rinnensee und den am Nordhang sichtbaren riesigen nicht einmal 200 m tiefer gelegenen Lisenser  Ferner ist einmalig und sollte von niemand versäumt werden, der auf der Franz-Senn-Hütte übernachtet. Über dem Lisenser Ferner thront der Lisenser Ferner Kogel (3298 m), einer der majestätischsten Berge der Stubaier. So war unsere Rast auf dem mit Blöcken bedeckten Gipfel recht ausgedehnt. In den Rückweg konnten wir noch eine entspannende Pause am idyllischen Rinnensee (2646 m) unterhalb des Gipfels einfügen. Auf der Hütte angekommen stieß Monika zu uns, nachdem Daniel – das Wochenende war vorbei – wieder die Heimreise antreten musste.

Am nächsten Morgen verließen wir die gastliche Stätte und steuerten die Neue Regensburger Hütte (2286 m) an. Auf dem Pfad dorthin, dem F.-Hortnagl-Weg, geht es zur Schrimmennieder recht steil und kräftezehrend aufwärts. Der Verlockung, auf der Nieder noch eine Jause einzulegen und diese für einen rucksackbefreiten Aufstieg zum Bassler (2829 m) zu nutzen, folgten wir gern. Von dieser Bergkuppe bot sich wieder ein reizvoller Rundblick auf schon bekannte und auch neue Gipfel. In der Ferne zeigte sich auch die schneebedeckte Schaufelspitze (3332 m), die südwestlich am Talschluss des Stubaitals den Schaufelferner und Fernauferner überragt. Auf der dortigen Schaufelnieder (3105 m) endet noch oberhalb des Stubaigletschers eine der höchstgelegenen Seilbahn-Stationen der Ostalpen.

Auf der Regensburger Hütte

Die Neue Regensburger Hütte, eine der kleineren Hütten, empfing uns mit Gemütlichkeit und leckeren Gerichten am Montagabend, zu späterer Stunde auch noch mit einem Regenguss. Der Dienstag lud zur Besteigung der Kreuzspitze (3082 m) bei gutem, sonnigem Wanderwetter ein. Dieser empfehlenswerte Aussichtsberg ist zur Freude unserer Fotofreunde mit einem nicht überall anzutreffenden, strahlengeschmückten Gipfelkreuz versehen. Der gegen Abend einsetzende Regen begleitete uns auch am nächsten Tag, dem Mittwoch, bis zur Dresdner Hütte. Zudem raubte uns der Nebel die erhoffte Sicht. In dieser Wegstrecke liegt oberhalb des Hohen Mooses die Grawagrubennieder (2881 m) zwischen Grawawand (3163 m) und Nockwand (3092 m), der man bei unsicheren Wetterverhältnissen (Neuschnee, Dauerregen) besondere Aufmerksamkeit schenken muss. Der „wunderschöne Ausblick auf die wichtigsten Berge des Hauptkamms, wie Wilder Freiger und Zuckerhütl“, den uns Panorama so verheißungsvoll angepriesen hatte (Heft 4/2007, Seite 39), war uns angesichts kaltem Regen und vernebelter Sicht nicht vergönnt und nur in unserer Phantasie ausmalbar. Aber selbst dazu gab es kaum Zeit, denn zur Vorsicht mahnender An- und Abstieg nahm unsere Konzentration voll in Anspruch.

Wie schön wäre es gewesen, wenn wir auf dem weiteren Weg noch den kleinen Umweg zum romantisch gelegenen Mutterberg-See hätten machen können. Jedoch haben bei Regenponcho-Wanderungen mit durchnässten Hosen warme Hütten und heiße Suppen nun einmal eine stärkere Magnetwirkung als romantische Bergseen, und seien sie noch so einmalig und idyllisch. Aber die sehr komfortable Dresdner Hütte (2308 m), unterhalb des Egesengrates (2631 m) gelegen, ließ uns Blässe und Nässe schnell vergessen. Sie ist ein Luxushotel unter den Hütten, schon mehr der Kategorie „Berggasthof“ zuzuordnen, und markiert ungefähr die Hälfte der Wegstrecke des Stubaier Höhenweges. Auch hat sie den Vorzug, dass man hier (erleichtert durch die Kabinenbahnverbindung ins Tal zur Mutterbergalm) den gesamten Höhenweg starten, unterbrechen oder beenden.

Auf dem Weg zur Sulzenauhütte

Friedhelm wurde am nächsten Morgen, dem Donnerstag, von der Gruppe verabschiedet. Wir Restlichen wanderten zur Sulzenauhütte (2191 m). Es gab  2 Wegmöglichkeiten: über das Peiljoch (2672 m) oder über den Großen Trögler (2902 m), ca. 1 Stunde mehr. Bis Mittag hatten wir bei Sonnenschein die Hütte erreicht, dann begann ein anhaltendes, heftiges Gewitter mit Hagel, den sich die vor der Hütte herumlaufenden Schafe aus dem Fell schüttelten.

Am nächsten Morgen machten wir uns trotz tief hängender Wolken auf den Weg zum Aperer Freiger (3261 m). Der Weg führte über die lange Seitenmoräne des Sulzenauferners an dem See Blaue Lacke, der grün schimmerte, vorbei. Je höher wir kamen, desto mehr Schnee lag auf den Platten. So entschieden wir uns bei etwa 2700 m zur Umkehr. Als wir schon gegen 11 Uhr wieder bei der Hütte waren und die Sulzenau-Alm im Tal in der Sonne sahen, entschieden wir uns dort unten Mittag zu essen. Welche Überraschung: Pforten, Stühle und die Gaststube waren voller Schnitzereien. Der Hüttenstempel war an der Zunge eines Teufels. Wieder oben in der Sulzenauhütte stärkten wir uns mit Kuchen und Kaffee.

Die Hüttentour führte uns am Samstag weiter zur Nürnberger Hütte (2278 m). Zur Auswahl standen 2 Varianten: über die Mairspitze (2780 m) oder das  Niederl (2629 m), ca. 1 Stunde weniger. Die von uns erwarteten Nürnberger Würstel waren leider nicht auf der Speisekarte.

Am zweiten Sonntag unserer Stubai-Tour starteten wir bei sonnigem, fast wolkenlosem Himmel von der Nürnberger Hütte Richtung Gamsspitzl, nachdem wir uns von Monika verabschiedeten, die uns verließ. Den Gipfel (3050 m) erreichte ein Teil unserer Gruppe nach ca. 3 Stunden mit leichter Kletterei über kleine Blöcke. Belohnt wurden sie durch eine tolle Sicht, insbesondere auf den nahe gelegenen Wilden Freiger (3418 m) mit Ferner.

Montag erfolgte wieder ein Hüttenwechsel. Ziel war die Bremer Hütte (2411 m). Das Besondere an diesem Weg war unsere Begleitung durch sehr zutrauliche Ziegen. Anschließend ging es an einem hübschen Hochmoor mit Wollgras entlang, bevor wir einen Steilhang mit Seilsicherung zum Simmingjöchl (2754 m) erklommen. Hier oben steht ein ehemaliges Zollhäuschen. Nach kurzer Rast ging es dann hinab zur Hütte, die am Ende des Gschnitztales liegt. Wir erreichten sie schon zu Mittag, bekamen auch gleich unser Lager zugeteilt. Am Abend aßen wir alle „Wilderer Pfandl“, ein Hirschragout, mit Spätzle. Die Zeit bis zur Hüttenruhe vertrieben wir uns mit dem Kartenspiel UNO.

Am nächsten Tag, Dienstag, hatten wir die längste Etappe vor uns, den Weg zur Innsbrucker Hütte, der mit 8 Std. angegeben ist. Wir kamen bald zu einem Klettersteig, der durch einen 30 m hohen Kamin mit Seilsicherung führte. Der weitere Weg ging noch über 4 Nieder (Joche) mit steilen Auf- und Abstiegen bevor  endlich die Hütte in Sicht war. Mit der Zeit hatten wir uns an den leichten Regen gewöhnt. Leider litt die Fernsicht darunter. In einem Nordkar lagen noch die Hagelkörner. Nach 9 Std. (mit Pausen) erreichten wir die Hütte. Wer nicht erst einen „Radler“ trank, konnte noch warm duschen. Später war das Wasser kalt.

Von der Innsbrucker Hütte stand die Besteigung des Habichts an. Eine reine Männerriege von uns verließ am Mittwoch die Hütte. Christa und Helga blieben in Hüttennähe und genossen das sonnige Wetter und die Aussicht auf den  Tribulaun (2946 m), das Gschnitztal und den Habicht (3277 m). Die beiden Uwes und Günther waren schon um 12 Uhr wieder zurück. Holger und Joachim gingen weiter und erreichten den Gipfel über recht steiles Gelände, das stellenweise mit Seilen gesichert war nach etwa 3,5 Stunden. Da das Wetter gut und zudem ein Feiertag (Maria Himmelfahrt) war, herrschte auf dem Gipfel ein reges Treiben. Bedingt durch die zentrale Lage und Höhe hatten sie vom Gipfel einen herrlichen Rundblick und konnten die Gipfelrast auf dem höchsten Punkt der Stubai-Tour ausgiebig genießen. Beim Abstieg überquerten sie ein kleines Firnfeld und entdeckten weiter unten einen Steinbock, der entspannt abseits des Weges zwischen Steinplatten lag und ausruhte. Zu gegebener Zeit schauten wir auf den Weg vom Habicht. Als wir Holger und Joachim erblickten, lief ich schnell in die Hütte, um 2 Skiwasser zum Empfang zu holen. Den Nachmittag konnten wir noch gemeinsam auf der Terrasse genießen. Nach dem Abendessen vergnügten wir uns wieder mit dem Kartenspiel UNO.

Abstieg nach Neustift

Beim Abstieg durch das Pinnistal nach Neustift lachte uns die Sonne aus heiterem Himmel entgegen. Mit einer Buttermilch-Pause benötigten wir zu Fuß nur 3,5 Stunden. Per Kleinbus schaffte es ein Teil der Gruppe  allerdings deutlich schneller. Den Tourenausklang feierten wir mit Pflaumenkuchen in einem Cafe und Abendessen im Restaurant „Waldhaus“. So ging am Donnerstag, dem  16.08.2007, mit der Ankunft in unserer Neustifter Unterkunft „Olympia“ eine unvergessliche, zweiwöchige Bergwanderung zu Ende, wenn nicht durchgängig, so doch überwiegend von sonnigem Wetter begünstigt, von guter Bergkameradschaft und froher Stimmung beflügelt und – Gott sei Dank – nicht getrübt durch Unglücke oder Missgeschicke. Alle hoch zufriedenen und wohl gelaunten Bergfreunde bedanken sich für Holgers fachkundige Vorbereitung und einfühlsame Tourenleitung und sind gespannt darauf, welche Wander-Highlights für das Jahr 2008 am Horizont erscheinen werden. Jedenfalls ist die Vorfreude hierauf schon heute groß!
Friedhelm Voll
Helga Holtzmann