
Freitag, 24.07.
Teil 2 des Tourenberichtes
(Hinterhornbach – Hochvogelüberquerung – Prinz-Luitpold-Haus)Das Frühstück dürfen wir im „Privat“ einnehmen mit allem, was es auf der Hütte nicht gab, dann werden wir auch schon abgeholt von Jürgen aus „bei München“, der uns heute zusammen mit Heike aus Füssen über den Hochvogel führen soll. Die anderen kriechen sehr mühsam aus ihrem Quartier, dann Aufstieg durch die noch dampfenden Wiesen auf 1100m, auch der Wald ist noch sehr mit dem nächtlichen Gewitter beschäftigt, Daniel hängt etwas durch, Heike zieht netterweise alle Waldbremsen auf sich, so eine hatte uns gerade noch gefehlt. Erste Pause an der Onkel-Toni-Hütte, zur Zeit gerade bewohnt von einer jungen Frau, die hier wohl eine Auszeit nimmt. Daniel bleibt hier wg. lahm, schade, aber später erfahren wir, was ihn umhaute, jedenfalls nicht der Finger.Die Ausblicke auf den Hochvogel sind schon jetzt überwältigend, überhaupt: Was für ein Berg! In den nächsten Tagen sehen wir ihn immer wieder auch noch von fern: Imponierend, kantig, einfach unverkennbar, ein wenig wie eine Pyramide, deren abgerundete Steinstufen deutlich mehr Jahrtausende gesehen haben als die bei der Verwandtschaft in Ägypten.Aber – wir sind noch lange nicht oben. Das merken wir schon, als wir unterhalb des Gipfels einmal komplett queren müssen auf dem Bäumenheimer Weg. Tief unter uns grasen auf der Jochalpe einige Gämsen, auch eine sehr junge. Dann, im Kontrast zum bisherigen Weg, erfolgt der Gipfelangriff im Steilanstieg von der Westseite her, wo es doch heftig zur Sache geht: Mühsame Kletterei, recht schmale Tritte, wenig Versicherungen, eine Gruppe aus dem Schwarzwald teilt sich mit uns die Mühe und die Begeisterung, als endlich das Gipfelkreuz in Sicht kommt hinter einer „Gipfelmoräne“, die lt. Holger im Laufe der Zeit schon viel kleiner wurde. Etwas windige Gipfelrast, wir sehen nordwestlich den Bodensee, nein, den Atlantik noch nicht, aber noch sehr hohe schneebedeckte Berge offenbar in der Schweiz.Abstieg nach Norden in ganz anderem, aber auch sehr brüchigem Gestein. Als wir später die Nordflanke von unten sehen, wundern wir uns über diesen schuttbedeckten Pyramidengipfel und darüber, dass man dort mit so wenigen Seilsicherungen herunter kommen kann. Zwischen Hochvogel und Kreuzspitze trennen wir uns dann von Heike und Jürgen, die durch das Fuchskar und über den Fuchsensattel absteigen, Daniel bei Onkel Toni abholen wollen, um dann von Hinterhornbach nach Füssen zurück zu fahren. Die beiden steigen im „Kalten Winkel“ über den dort sehr steilen Restschnee ab, unter dem hier oben mehrere dicke Sicherungsseile verschwinden, die sicher sehr hilfreich wären, wenn man sie denn „greifbar“ hätte. Jedenfalls – vor fünf Jahren sollen sie noch obenauf gelegen haben. Die Absteiger werden schnell kleiner und sind beim letzten Juhu von der Kreuzspitze aus, die wir an sehr vielen Seilsicherungen umgehen, kaum noch zu hören. Diese Spitze gibt uns noch ein paar Aufgaben auf: Schmale Tritte auch hier, sehr enge Durchgänge, wo wir mit den Rucksäcken anstoßen, aber alle kommen heil durch. Wir sehen inzwischen das Prinz-Luitpold-Haus, viel weiter nördlich und sehr tief unten auch das Giebelhaus. Unterhalb der Kreuzspitze warten auf uns fast senkrecht abfallende Felswände, durch die irgend jemand eine Abstiegsroute „geseilt“ hat: Trotz vieler Versicherungen ist es eine schwierige Strecke, weil oft die passenden Tritte fehlen, und wir dann nur an den Armen hängen (das darf Günther aber nicht erfahren). Bis zum PLH zieht der Weg sich, dicke Wolken kommen über den Grat links und vor uns, wir machen etwas Dampf, trotzdem erwischt der Regen uns noch in der letzten Viertelstunde. Große Hütte, altes Gehäuse im Blockhausstil, leider innen neu vertäfelt, so dass der Anblick fast weh tut, wenn nicht Hunger und Durst den Blick in die Speisekarte gezwungen hätten. Ob PL das so gewollt hätte? Wir schlafen später trotzdem gut in fast puppenstubenartigen Etagenbetten in Minizimmern.
Samstag, 25.07.
(Prinz-Luitpold-Haus - Landsberger Hütte)
Es hat die ganze Nacht über geschüttet; direkt neben unserem sehr engen und entsprechend nachtwarmen Zimmer hat es auf ein volltönendes Blechdach getrommelt. Morgens soll es also erst mal langsam angehen, falls wir bei dem andauernden Regen hier auf der Hütte bleiben; trotzdem machen die Frühaufsteher die übliche Hektik: Daran müssen wir noch arbeiten. Jedenfalls - weiter schlafen is nich. Immer wieder zweifelnde Blicke vor die Tür, wo man aber nur beobachten kann, wie aus Schwachregen Starkregen wird – und umgekehrt. Dann aber, hoffnungsschwangere Schüttpause, und siehe, es gefällt der Reiseleitung, sofort aufzubrechen. Und das war auch gut so. Auf dem Jubiläumsweg geht es hoch zur Bockkarscharte. Begrüßung durch eine große Gamskommune mit einigen Jungtieren. Sie kommen sehr nah an uns vorbei, als sie zusätzlich durch unsere Störung noch vom Rettungshubschrauber aufgescheucht werden, der sehr geräuschvoll und aufwändig das PLH hinter uns anfliegt. Später steht die Herde gegenüber im Talgrund oberhalb des Fuchskarbachs. Inzwischen fängt es wieder an zu regnen; der ganze Tag und Weg bleibt schauerdurchtränkt, man weiß gar nicht, wie man sein Regenkeep tragen soll, draußen drüber oder innen drin. Beim Weitergehen jagen sich die Kare: Sattelkar, dann das Schänzlekar. Der Weg bietet immer wieder kurze Kletterstrecken dort, wo der schräge Grashang, an dem wir entlang gehen, zu steil wird, und er über seinen darunter liegenden Felsbrocken aufbricht. Zusätzlich wird es auf dem Gestein glatt, als wir durch ein eingeschnittenes steiles Bachbett größere Steinstufen überwinden müssen. Der Saalfelder Höhenweg führt uns über das Kastenjoch, von wo aus die Gruppe MAU noch mal eben auf die Rote Spitze steigt, von wo sie aber auch – kaum oben – sofort wieder durch eine Regenwolke vertrieben wird. Unterbringung im Landsberger Nebenhaus, ein relatives Paradies der Stille, wohingegen es im Gastraum grässlich voll ist, und vor allem laut. Wir ziehen uns schließlich nach dem Essen genervt in unseren Matratzenraum im 1. Stock zurück, wo wir auch ganz gut unter dem Holzgebälk zu Füßen unserer Schlaflager sitzen können und entdecken beim Blick aus dem kleinen Fenster wieder die große Pferdeherde – wohl aus Haflinger Pferden bestehend – weit unterhalb der Hütte auf einem flachen Grashang, die wir vorhin schon beim Übersteigen des Kastenjochs gesichtet hatten. Was für eine Augenweide, diese sattbraunen Tiere mit der hellen Mähne auf dem dunklen Grasgrün vor dem Hintergrund der Felsgipfel!
Sonntag, 26.07.
(Landsberger Hütte - Kastenjoch – Schrecksee - Hinterstein/Neunerköpflebahn – Tannheim – Altstädten)Aber die Landsberger Hütte ist ungenießbar und völlig überlaufen, jedenfalls wohl am Wochenende: So ein Gewusel und Chaos, diese Lautstärke; die Besonderheit der Hüttenatmosphäre, die wir auf den anderen Hütten wie selbstverständlich genossen, ist völlig dahin dank Seilbahnnähe mit jeder Menge Tagesgästen und Verrohung aller alpiner Sitten durch Massentourismus: Hier handelt es sich um ein Ausflugslokal, das aus Versehen in den Bergen steht. An sich ergreifen wir die Flucht, heute auf zwei getrennten Wegen: Die Gruppe MAUGUM macht die lange Tour, zunächst zurück auf das Kastenjoch, jetzt mit Ausblick über den kleinen Alplsee zur Rechten mit seinen kleinen Zuflüssen und über zig Schafe, die frühmorgens über die Scharte eingewandert sind, und natürlich auch wieder über die Marlboro-Pferde, die farblich unglaublich passend tief unten im satten Grün bei der Kastenalpe grasen, fast noch im morgendlichen Schatten der Gipfel. Was für ein friedliches Bild, die LH ist schnell vergessen, wir gehen auf dem Kastenjoch über den Kirchendachsattel zum Schrecksee, der sich völlig unschrecklich gut 100 m unter uns idyllisch mit grüner Insel, kleinem Sandstrand und sich spiegelnden Felsgipfeln und Karen entfaltet, der Blick von hier wirkt fast gebührenpflichtig. Der große Reiseschriftsteller Goethe hätte hier Stunden gehockt und mindestens Gedichte für die Nachwelt verfasst: Wir widmen uns stattdessen unserer Butterstulle. Alfonsa erzählt dabei, dass der See auch ganz anders kann, nämlich bei wildem Wetter wirklich schrecklich aussehen. Der Abstieg geht rasch, wir kreuzen den Jubiläumsweg Richtung Rauhhorn, den wir heute nicht gehen wollen, ein Schild warnt vor der Staatsgrenze, ein anderes vor alpinen Gefahren. Wir sehen den letzteren mutig entgegen, sie bleiben uns aber bis hinunter nach Hinterstein erspart. Auch hier immer mal kleine Klettereien, zum Teil auf angenässtem Fels, dann wieder durch Wiesen mit schmatzendem Lehmboden. Unter der Materialseilbahn steigen wir in das Taufersbachtal ein, während sich hoch über uns gegen den stahlblauen Himmel klar abgehoben das Rauhhorn zeigt, wo wir ja eigentlich rüber wollten. Der Blick voraus geht schon lange auf die Vorläufer von Hinterstein. Auf der Höhe der Taufersalpe passieren wir ein großes Wasserbecken mit drei kräftigen Zuflüssen, das hier unten schon von Nadelwald umgeben ist. Der Abfluss zeigt sich erst beim Absteigen, als wir auf das Wasserkraft-E-Werk bei der Auelesbrücke stoßen, wo wir die im Prinzip autofreie Straße im Hintersteiner Tal erreichen. Die Bushaltestelle liegt direkt beim „Konstanzer Jägerhaus“, wo noch Zeit für eine Durstlösche bleibt.
Dann sehr flotte Verbindung zurück in die große Welt von Sonthofen-Altstädten, die „Sonne“ hat uns wieder, noch weit vor unserer Restgruppe, deren Bericht von Roswitha hier folgt:
(Landsberger Hütte) Abstieg zum Neunerköpfle 8:30 Uhr, Holger, Uwe, Joachim, Manfred, Christa und Roswitha
Nach einer entspannten Wanderung hatten wir einen HARTEN Abstieg mit der Seilbahn nach Tannheim. Wir gehen ins Hotel Ritter, dem besten Haus am Platze, und setzen uns unter die schattenspendenden Bäume im Restaurantgarten.
KULINARISCHES Zwischenspiel
13:40 Uhr ab mit dem Bus zum Oberjoch
KULINARISCHES Zwischenspiel: Pizzeria/Gelateria IL POMODORE
Rieseneisbecher für alle!
Roswitha: „Was machen wir in der nächsten Pause, vielleicht einen Wein trinken? Ich bin so satt, ich kann nichts mehr essen.“
Danach Manfred: „Ich könnte jetzt noch alle Eissorten durchprobieren, ich hatte noch nichts gegessen.“
Roswitha: „Du hast doch im Hotel Ritter schon was gegessen.“
Joachim: “Ja das war ja nur ein Apfelstrudel mit Sahne, das zählt nicht.“
Manfred würde sich am liebsten in die Sonne legen, ein kleines Schläfchen machen und vorher bezahlen, falls er einen Hitzeschlag kriegt. Legt sich dann ins Gras – ohne zu bezahlen – und schläft.
Holger: „Muss ein Holländer oder Belgier sein, die machen so was immer, schlafen an der Straße.“
14:35 Uhr Jetzt heißt es warten auf den Bus nach Hindelang, der 15:40 Uhr abfährt.
Holger: “Das schönste wäre, wenn wir runterkommen (mit dem Bus) und die anderen stehen da und steigen in ihn ein.“
Joachim: „Das kann passieren.“
Abschließender Kommentar von Roswitha: „Wir hatten einen schönen Abstieg, viel Freude miteinander und eine Menge Spaß!“
Montag, 27.07
(Nesselwängle – Rote Flüh – Ehenbichl/Reutte)
Heute scheiden sich die Geister. Nach dem Aufwachen in der „Sonne“ wird alles anders, denn ein Teil von uns muss abfahren, aber für die Gipfeljahresbilanz verbleiben noch gut 500 Jahre. Nachdem alle Abschiedstränen getrocknet sind, reisen die verbliebenen Acht über das Oberjoch vorbei am Haldensee nach Nesselwängle. Hier müssen unsere PKWs warten, weil wir die Rote Flüh angehen wollen, die wir von unten steil über uns blau umrahmt gegen den Sommerhimmel sehen. Wir gehen im Wald neben der Materialseilbahn; hier ist es zum Glück noch etwas kühler, aber trotzdem wird es uns jetzt am späten Vormittag beim Anstieg schnell warm. Kurze Rast am Gimpelhaus, das von unten gesehen wie ein Schiffsbug aus dem steil ansteigenden Wald ragt. Oberhalb der Baumgrenze haben wir dann wieder vollen Blick auf die Rote Flüh und vor allem den Gimpel direkt rechts daneben, mit dem Holger klettermäßig schon seine Erfahrungen gemacht hat. Der Weg quert am Fuß des Gimpel einmal komplett in Richtung Westen, unterhalb der Nessselwängler Scharte besteht für den Gimpelanstieg bereits ab hier Helmpflicht. Von der Judenscharte aus blicken wir in Richtung Norden ins „Flachland“, das eigentlich überhaupt nicht flach ist, aber von hier oben wirkt alles eingeebnet. Im Gimpelwestgrat, also direkt neben uns, hängt auch gerade jetzt wieder eine Seilschaft, offenbar im Abstieg.
Dann erfolgt unser "Gipfelangriff“, völlig unspektakulär über eine hier voll in den Granit gehauene Treppe mit Verseilung an beiden Seiten, man wähnt sich in Blankenese im Anstieg auf der Süllbergs Treppe. Zwei Hektiker rasen vorbei, rauf wie nachher auch runter, aber sie tragen Helme im Gepäck, das verpflichtet wohl zu mehr Tempo. Mit dem Anstieg wird der Blick in den flacheren Norden immer großartiger, ebenso auch nach Süden, von wo unser alter Freund, der Hochvogel, herüber grüßt. Die Gimpel-Westseite mit ihrer aktiven Seilschaft bleibt sehr nahe und übersichtlich, wir sitzen sozusagen als Passivkletterer in der ersten Reihe. Bei der Gipfelrast werden wir heftig umschwärmt von Myriaden kleiner Insekten, es sind wohl hochzeitende Ameisen. Abstieg in der Mittagshitze, der Schweiß rinnt jetzt heftig, sehr bald haben wir die 1000 Höhenmeter hinter uns.
Uwe hat uns Quartier besorgt in Ehenbichel bei Reutte in der Pension „Hohenrainer“, zum Essen gehen wir kurz durch den Ort nach unten zum Drei-Sterne-Hotel „Maximilian“, ein Familienbetrieb mit besonderem Reiz, der uns sehr zusagt, nicht zuletzt wg. seiner Kulinarien.
Dienstag, 28.07.
(Sightseeing: Schloss Linderhof – Kloster Ettal - Füssen für Anfänger und Fortgeschrittene)
Heute ist Gerdas Geburtstag, was erst sehr zögerlich ans Tageslicht dringt, aber unsere Gipfel-Jahre-Statistik natürlich sofort weiter bringt. Geplant ist für diesen Tag eine Führung durch die Stadt Füssen ohne Gipfelambitionen, aber unter der gediegenen Betreuung von Heikes Eltern, die sozusagen Berufsfüssener sind. Dichter Regen unterstützt diese für eine Bergfahrt ja etwas ungewöhnliche Touristik-Einlage, am Berg hätten wir aber heute eh nur alt ausgesehen. Aber in Linderhof ist es schon wieder trocken, so dass wir eine sehenswerte Runde ablaufen und dabei einen überzeugenden Einblick in den damaligen Geisteszustand von Ludwig II erhalten. Ettal, das wir danach anfahren, ist immer noch völlig überladen, auch von Touristen.
Und Füssen? Wunderbare Führung oder eher Familienspaziergang mit Rita und Hermann durch eine auf Anhieb sehr gemütlich wirkende kleine Stadt mit vielen Besonderheiten im Detail, ich glaube, wir kommen alle sehr gern wieder hier her. Abendessen in der Füssener „Krone“, mit Haxen und anderen bayrischen Schweinereien, unterlegt mit deftiger Musik. Bei der Rückkehr haben wir in Ehenbichel dann vom Balkon einen direkten Blick auf die romantisch beleuchtete Ehrenberg-Burg etwa 400 m über uns.
Mittwoch, 29.07.
(Säuling über Säulinghaus)
Anfahrt wieder bis zum Wald am Fuß des Säuling, auch heute ideale Wetterbedingungen wie vor zwei Tagen an der Roten Flüh mit morgendlicher Kühle im Schatten am Westhang. Stille im Wald, aber im Hintergrund, wohl von einem gegenüberliegenden Hang herüber, rumort klickend mit regelmäßigem Rhythmus eine Art Ramme, wie man sie aus dem Hamburger Hafen kennt. Vielleicht wird dort Gestein bearbeitet, aber mit einer Ausdauer, am Nachmittag nämlich immer noch. Sehr stetiger Anstieg, sechs gehen mit, unser Zweier-Voraustrupp ist AU , nach zwei Stunden erreichen wir das Säulinghaus. Kurze Einkehr, Rundblick, der hier noch vom Wald begrenzt wird.
Fünf steigen weiter auf dem plötzlich ganz andersartigen Weg: Er ist jetzt steil, felsig, der Wald kann hier im Gestein nicht mehr folgen, ohne Klettern geht es nicht mehr, aber viele Seile helfen sehr, weil der Anstieg in sehr ausgesetztem Terrain erfolgen muss, und ein Fehltritt mal wieder nicht drin ist über die nächsten 250 Höhenmeter. Offenbar waren hier vor uns schon sehr viele Aspiranten, die Trittsteine und Griffe sind z. T. unangenehm glatt geschliffen und sogar glänzend poliert. Aber wir kommen gut voran.
Oben auf der Scharte hat sich auf einer winzigen Ebene ein Stückchen Wiese ausgebreitet, das uns an den Gipfelkegel heranführt. Hier ist menschenmäßig allerhand los, man sieht überall Leute auf allen vieren über die großen, übereinander getürmten Felsbrocken klettern, auf dem Gipfel ist aber noch Platz für uns. Der Blick erfasst den Forggensee, Reutte und den Lech über eine ganze Strecke, Neuschwanstein und Hohenschwangau über dem flacheren Tannheimer Land mit seinen kleinen Dörfern, dazwischen einige Seen mit ihrer unterschiedlichen Tiefengrüne, eine Zwergenwelt da unten. Weit weg jetzt schon der Hochvogel, die Zugspitze ist erkennbar, weit im Süden zeigen sich schneebedeckte Riesen, vermutlich im Ötztal oder im Stubai. Die Gipfeldohlen stauben wieder reichlich bei der Vesper ab, Alfonsa versieht den Gipfelservice gewissenhaft wie immer. Runter zu – um es mal wieder etwas sächsischer auszudrücken – ist es nicht gerade einfacher, weil man nicht nur auf den Tritt achten, sondern auch noch mal in die wie auf einem Teller vor uns liegende Landschaft blicken muss, ein bedenklicher Vorgang. Es wird in der Sonne unerträglich heiß, wir schenken uns die ursprünglich angedachte Umwanderung des ganzen Felsareals zu Gunsten einer viel schnelleren Rückkehr an die Erfrischungsquellen im Säulinghaus. Übrigens ist in diesem Jahr die Johannisbeerschorle gegen den gemeinen Bergdurst in unserer Gruppe absolut Trumpf. Unterhalb des Säulinghauses nur Hitze und wenig Schatten. Die Bergramme hat tatsächlich seit heute Morgen durchgehalten und ist weiter unten als Krachmacher im Einsatz, Feierabend gibt es da wohl nicht.
Abends kulinarisches Aufbautraining im „Maximilian“; diesmal zeigt uns der Ober, wie man auch in einem feineren Haus eine wacklige Sitzbank mit gezielten Schlägen eines Holzscheites im Nu wieder stabil machen kann.
Donnerstag, 30.07.
(Burgenwelt Ehrenberg – Festung Schlosskopf)
An diesem letzten Tag wollen wir noch einmal Tourist sein und wandern durch die Wiesen von Ehenbichel und den angrenzenden Wald in Richtung Mittelalter und folgende Jahrhunderte. Von den umfangreichen Burganlagen ist vieles erhalten geblieben, in Schaubildern sieht man, wie hier von Berg zu Berg gekämpft wurde, man mag es sich in dieser stillen, waldreichen Bergregion gar nicht vorstellen. Vor ein paar Tagen gab es hier noch Ritterspiele in Anspielung an alte Zeiten.
Das Abendessen sieht uns schon wieder im „Maximilian“, ein Grillmeister zelebriert Tierisches im Innenhof, wir verzichten, weil wir uns lieber noch einmal mit den Köstlichkeiten der Speisekarte beschäftigen wollen. Heute geht alles ein bisschen daneben, worüber unser Ober herzlich mit uns zusammen lachen kann. Ein Haus mit besonderem Charme!
Freitag, 31.07.
(Wir sind auf der Rückreise.) Der Vollständigkeit halber sind hier noch einmal alle Teilnehmer dieser Tour aufgeführt, die jeder für sich mit geholfen haben, ihre insgesamt 750 Jahre auf die Gipfel zu tragen: Holger und Daniel, Uwe und Christa, Uwe aus Rottach, Gerda, Roswitha, Manfred und Ulrike aus Rostock, Manfred aus Hamburg, Alfonsa, Joachim, Mathias, ja, und eigentlich auch Günther, aber der hat entschuldigt gefehlt.
Matthias Rinck










