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07.05.08 16:31 Alter: 4 yrs

Wichtiges zur Himalaya-Saison

 

Himalaya-Saison unter „olympischen“ Vorzeichen

In der Regel sorgt eine Schönwetterphase in der zweiten Mai-Hälfte für gute Chancen, den Gipfel des Everest oder eines anderen Achttausenders zu erreichen. Doch in diesem Jahr sind – besonders am Mount Everest – die Möglichkeiten für Bergsteiger extrem eingeschränkt, denn China plant in diesen Tagen die olympische Fackel auf das Dach der Welt zu tragen. „Der olympische Fackellauf zum Mount Everest instrumentalisiert den Berg zu politischen Zwecken und ist mit sportlichen Idealen "unvereinbar“, bezieht DAV-Hauptgeschäftsführer Thomas Urban Position.

Derzeit geht der Deutsche Alpenverein davon aus, dass der geplante Gipfeltag in der ersten Maiwoche liegen wird.

Sperrzone Everest

Um die chinesische Fackel-Expedition zu sichern und abzuschirmen, bekamen andere Everest-Aspiranten – ob Kunden professioneller Expeditionen oder Individualbergsteiger – in dieser Saison keine oder nur eine stark eingeschränkte Chance, sich mit dem Berg zu messen: Die nordseitigen,
tibetischen Basislager für Everest und auch Cho Oyu dürfen bis zum 10. Mai von keinen westlichen Gruppen belegt werden. Auch auf der nepalesischen Südroute dürfen Bergsteiger bis 10. Mai nicht über Lager II hinaus aufsteigen, müssen elektronische Geräte einem Polizeiposten in Verwahrung geben und dürfen keine Flaggen, Sticker oder ähnliches mitführen und präsentieren, die „die Beziehung zwischen China und Nepal beschädigen könnten“. Andernfalls droht dem ganzen Team die Zwangsheimreise.

Warten ist angesagt

Da die günstigen Wetterverhältnisse im Everest-Gebiet meist nur bis Ende Mai anhalten, bleibt für andere Expeditionen in diesem Jahr nur sehr wenig Zeit. In der Regel benötigen die Bergsteiger zwei bis drei Wochen, um sich zu akklimatisieren und Hoch- bzw. Zwischenlager aufzubauen.

Die größten Chancen ergeben sich in diesem Jahr deshalb von der südlichen, nepalesischen Seite. Dort haben die Expeditionen zumindest die Möglichkeit, sich im Solo-Khumbu-Tal oberhalb des Basislagers aufzuhalten und mit kleineren Gipfelbesteigungen ihre Höhenanpassung voranzutreiben – um ggf. die verbleibenden drei Wochen für einen Gipfelversuch zu nutzen. Viele Expeditionen haben jedoch schon längst ihr Vorhaben aufgegeben, den Everest zu besteigen und sind auf den Makalu (8463 m) in Ost-Nepal ausgewichen. Dort befindet sich derzeit z.B. der derzeit erfolgreichste deutsche Expeditionsbergsteiger Ralf Dujmovits.

Erschließungsschub im Himalaya

Ob China als Organisator des Fackellaufs und der Olympischen Spiele ein „gutes Beispiel“ für die „Achtung ethischer Prinzipien“ abgibt, wurde in den vergangenen Wochen in Politik und Sport ausführlich diskutiert. Neben den politischen sind es aber auch ökologische und soziale Folgen, die das Bergsteigen am Everest in Zukunft massiv verändern werden. So wurde für den Fackellauf die Straße ins Everest-Basislager auf einer Strecke von 108 Kilometern geteert, zum Preis von 13,5 Millionen Euro – eine unangemessene und ökologisch höchst zweifelhafte Aktion. Außerdem sollen am Berg Mobilfunkmasten installiert werden; ein weiterer Erschließungsschritt am höchsten, aber auch am meisten missbrauchten Achttausender.

Forderung nach Fairness und Kameradschaft

„In dieser olympischen Flamme gehen die Ideale des Sports in Rauch auf. Der DAV hat kein Verständnis für die ungerechtfertigten Beschränkungen des Bergsports und die maßlose Erschließung am Everest. Bergsteiger stehen für Fairness und Kameradschaft.

Sie wünschen sich, dass China im olympischen Jahr auch in der Politik ein Beispiel olympischen Geistes vorlebt und Lösungen nicht durch Gewalt
erzwingt, sondern in fairer Kommunikation sucht, mit regionalen politischen Organisationen und auch mit dem Dalai Lama“, fasst Thomas Urban die Position des weltgrößten Bergsportverbandes zusammen.