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Ost-Tiroler Hüttentour (31.08.-08.09.2007)

Nachdem es nun die neue Gruppe schon seit einigen Jahren gibt, haben wir uns in diesem Jahr entschlossen, erstmals eine gemeinsame Alpen-Hüttentour zu unternehmen. Unser Ziel: Osttirol mit dem Venediger-, Prägrater und Lasörling-Höhenweg. Nach einem  Vortreffen im Frühjahr dieses Jahres bei uns im Garten verging die Zeit bis zur Tour dann recht schnell.

Am Abend des 31.08. traf sich die Gruppe gegen 21:30 Uhr am Hamburger Hauptbahnhof, um mit dem Nachtzug via München nach Kitzbühel zu fahren. Von dort ging es noch zwei Stunden weiter mit dem Postbus bis nach Obermauren im schönen Virgental, 1194 m hoch gelegen. Um von der langen Fahrt erholt zur ersten Hütte aufzusteigen, gab es in einem Gasthof zunächst eine kleine Stärkung. Am Nachmittag war die Gruppe dann auch mit 14 Hüttenwanderern komplett, und wir begaben uns bei herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel auf den Weg, der wunderschöne Aussichten ins Virgental und auf die gegenüberliegende Lasörling-Gruppe bot. Nach  etwa 2 ½  Stunden zunächst gemächlichem und später dann  recht steilem Anstieg waren wir an der Nilljochhütte auf  1990 m Höhe angelangt. Wir waren fast die einzigen in der kleinen privaten Hütte.

Sonntag, 02.09.: Wir brechen zeitig auf, auch wenn unser nächstes Ziel – die Bonn-Matreier-Hütte – nur etwa 2 ½ Stunden entfernt ist. Wir wählen den bequemeren Weg durch das kleine Nilltal; schließlich gibt es von der Hütte noch zwei Gipfelmöglichkeiten. Nach der gemeinsamen Mittagseinkehr und einem Begrüßungsschnapserl trennen sich unsere Wege. Ein Teil der Gruppe besteigt den Sailkopf (3209 m), der andere  versucht sich am Rauhkopf (3070 m), einige gehen jeweils nur ein Stück des Wegs mit der Gruppe, und wiederum andere erklimmen gleich beide Gipfel. Jeder wie es beliebt. Die Aussicht zu den Gletschern bis hin zum Großglockner im Norden sowie auf unsere Hütte und die Berge südlich des Virgentals war grandios! Am Abend sitzen wir wieder gemütlich  in der Hütte beisammen und lassen uns die zahlreichen Gipfel des traumhaften Panoramas erklären.

Montag, 03.09.: Es scheint wieder ein herrlicher Tag zu werden, doch unsere Euphorie ist ein wenig gedämpft, denn wir haben den ersten Ausfall wegen Krankheit und ernsthafter Höhenprobleme. Eine Wanderfreundin muss uns dadurch leider verlassen – sie wird mit der Materialseilbahn und von deren Talstation weiter per Pkw ins Tal zum Arzt gebracht. Sie fährt noch am gleichen Tag nach Hamburg zurück. Gegen 9 Uhr starten dann auch wir verbliebenen 13 mit Ziel Eisseehütte. Der Weg führt zunächst bergab, um sich dann umso heftiger in engen und steilen Serpentinen hinauf in eine Scharte zu winden. Von hier an gehen wir auf einem unschwierigen Panoramaweg, von dem wir bereits etwa eine Stunde vor unserem Ziel unsere Hütte und auch die morgige Fortsetzung der Tour erblicken. Pünktlich zur Mittagszeit sind wir an der Eisseehütte  (2521 m) angelangt. Nach einer Jause gibt es wieder eine individuelle Wanderung: Eine kleine Gruppe begibt sich auf eine etwa 2stündige Rundtour zum Eissee, die auch mit einigen Auf- und Abstiegen verbunden ist. Und die Gipfelstürmer versuchen sich an der Weißspitze mit 3300 m. Wieder erwarten uns überwältigende Ausblicke. Auf dem Rückweg wird die Gipfelgruppe allerdings von schlechtem Wetter überrascht; im Nebel verliert sich der Pfad mitunter so, dass es nicht für jeden leicht ist, auf dem richtigen Weg zu bleiben. Umso glücklicher sind wir, als alle wieder gemeinsam in der Hüttenstube zusammensitzen. Wieder geht ein schöner Tag zu Ende. Doch die Prognose für die nächsten Tage sieht nicht gut aus – es ist Schnee gemeldet. Wir knobeln bereits an Alternativen.

Dienstag, 04.09.: Es hat über Nacht gestürmt und geschneit. Ausgerechnet heute steht eine längere Wanderung bevor. Vor uns bricht eine Gruppe des Summit-Clubs auf, und so beschließen wir, ihnen zu folgen. Bis zur Sajat-Hütte liegt schließlich nur eine leichte Wegstrecke vor uns. Ziemlich zu Beginn der Tour stehen wir jedoch vor einem Hindernis: Der Gebirgsbach hat eine Brücke weggerissen; erst nach einigem Suchen finden wir den neuen Übergang über das Wasser. Das Schneetreiben will nicht nachlassen. Doch wir sind guter Dinge … und werden belohnt: Rechts über uns entdecken wir unzählige Gämsen – es werden immer mehr. Und nun ist es auch nicht mehr weit bis zur Sajathütte (2575 m). Die vor einigen Jahren durch eine Lawine verschüttete Hütte wurde unter neuesten lawinentechnischen Gesichtspunkten neu aufgebaut und thront nun wie ein kleines Schloss hoch über dem Ort Prägraten.  Sie ist sehr komfortabel und beherbergt sogar eine Kletterwand. Wir überlegen, vielleicht bereits hier zu übernachten, falls der Weg bei der momentanen Wetterlage zu schwierig wird. Zimmer sind frei, und so kündigen wir vorsorglich unsere eventuelle Rückkehr zur Hütte  an. Doch die Gruppe beschließt, den Übergang zur Johannishütte über die Sajat-Scharte  zumindest zu versuchen. Nach einer ausgiebigen Mittagsrast  gehen wir die zweite Etappe der Tour an. Wir passieren den Klettersteig der Roten Säule –  den wir aufgrund der Wetterlage nun leider auslassen müssen – und steigen in Serpentinen, teilweise mit Seilsicherung, hinauf zur Scharte. Die Laune ist trotz Wind und Schneefall gut, und auch die erste Schneeballschlacht lässt nicht  lange auf sich warten. Für den Aufstieg bis auf 2750 m benötigen wir eine knappe Stunde,  und der technisch schwierigste Teil liegt damit hinter uns. Das Wetter hat sich allerdings nicht gebessert, doch wir beschließen, nun auch den letzten Teil des Weges zur Johannishütte (2121 m) weiter zu gehen. Die Schwierigkeit ist nun nicht mehr so sehr der Weg, sondern zum Teil heftige Windböen, die den Schnee darauf wehen, so dass die ersten sich eine Spur bahnen müssen. Manch einer kommt dabei an seine Leistungsgrenze, doch als wir das Treiben am Abend von der kuscheligen Hütte beobachten, sind alle Anstrengungen des Tages wie weggeblasen. Wir sind glücklich, hier zu sein – zumal es von hier die Möglichkeit gibt, am nächsten Tag mit dem Hüttentaxi ins Tal zu fahren. Doch jetzt genießen wir erst einmal das leckere Essen und freuen uns auf  die geräumigen Lager. Und wir beschließen, die Tour zunächst auf unbestimmte Zeit zu unterbrechen;  es werden Zimmer im Tal organisiert. Die Familie, denen das Hütten-Taxi gehört, ist uns dabei sehr behilflich.

Mittwoch, 05.09.: Rund um die Hütte ist alles tief verschneit, wie es schöner im Winter nicht hätte sein können. Die Fenster sind bis obenhin mit Schnee bedeckt, so dass man gar nicht mehr hindurch schauen kann. Nur sehen wir leider wieder nichts von den umliegenden Bergen. Ski müsste man haben, um damit ins Tal abzufahren! Doch der Sturm ist so heftig, dass uns sogar davon abgeraten wird, zu Fuß ins Tal zu gehen. Ob überhaupt das Hütten-Taxi würde fahren können? Es konnte! Doch es kam nicht im ersten Anlauf hinauf. Schneeketten mussten her, und irgendwann schaffte  es der 8-Sitzer dann doch. In zwei Fahrten geht es dann ins talwärts. Hin und wieder müssen zurücksetzen, weil wir in den Kurven im Schnee stecken bleiben bzw. anhalten, weil die Sicht so extrem schlecht ist. Am Innerkratzerhof in Bichl angekommen, treffen wir uns in unserem Appartement zu einer erneuten Lagebesprechung.  Wir beschließen, in den nahe liegenden Ort Prägraten zu gehen. Zuerst wird allerdings ein Schneemann gebaut! Von Bichl nach Prägraten führt eine Serpentinenstraße – doch wir haben die Abkürzung gewählt – quer über die verschneite Wiese … zu Fuß … oder schneller noch auf dem Hosenboden. Wir hatten trotz aller Widrigkeiten viel Spaß. Nach einer Einkehr im Café wanderten wir im Tal entlang des Isel-Flusses nach Hinterbichl und von da hinauf zu unserem Quartier in Bichl. Langweilig wurde uns auch da nicht – heute stand noch Kultur auf dem Programm. Die Laienspielgruppe des Dorftheaters, nur wenige Schritte von unserer Pension entfernt, hatte eine Zusatzvorstellung eingeschoben: „Die hölzerne Jungfrau“ wurde aufgeführt. Und weil im  Tal alles so familiär ist, kannten wir inzwischen einige der Mitwirkenden, wie unseren Pensionswirt, eine Hüttenwirtin … Danach gab’s Abendessen in der benachbarten Dorfschänke … und wir hofften weiter auf Wetterbesserung. Und erneut verabschiedet sich eine Wanderfreundin, die nicht mehr an die Fortsetzung der Tour glaubt.

Donnerstag, 06.09.: Wieder hat es die ganze Nacht über gestürmt und geschneit. Dennoch halten es einige nicht mehr länger drinnen aus. Die ersten machen sich auf den Weg in Richtung Klara-Hütte. Sie wollen versuchen, so weit wie möglich aufzusteigen. Spätestens am Abend wollten wir uns wieder in Bichl treffen. Unsere Unterkunft haben wir bereits um eine weitere Nacht verlängert. Einige Hütten wurden inzwischen geschlossen, und Wege waren wegen Lawinengefahr gesperrt. Ein Teil der verbliebenen Gruppe will zumindest bis Mittag abwarten, ob Sturm und Schnee nachlassen. Beschäftigungen gab es gar viele: Im Quartier lagen Spiele aus, Wanderkarten wurden gewälzt, um Ersatztouren auszukundschaften, ja sogar Bretter wurden in der benachbarten Scheune gestrichen. Und wer sich dennoch hinauswagte, um ein paar Dinge einzukaufen, kam triefnass zurück. Doch am Mittag begab sich auch der zweite Teil der Gruppe auf die Spuren der ersten. Und siehe da, nach und nach ließen Sturm und Schneeregen nach, wir erspähten sogar ein klein wenig blauen Himmel und konnten zeitweise sogar bis zu den Gipfeln schauen. Unser Weg führte vorbei an der Islitzenalm auf dem so genannten Wasserfall-Schaupfad entlang der Umbal-Fälle – ein beeindruckendes Naturschauspiel mit vielen Aussichtsplätzen auf zahlreiche Wasserfälle.  Auf einem anderen Weg gingen wir wieder zur Alm zurück und kehrten ein. Unseren „Vortrupp“ haben wir leider ganz knapp verpasst. Doch für 19.30 Uhr hatten wir uns ohnehin wieder verabredet. Wir wollten uns die 3000er einmal im Sonnenschein anschauen: Im Mittelkratzerhof, dem kulturellen Zentrum der umliegenden Ortschaften, gab es einen Diavortrag über Menschen und Natur im Virgental. Neben schönen Aufnahmen von inzwischen bekannten Plätzen sahen wir so auch einiges von dem Teil des Höhenwegs, den wir nun leider aus dem Programm streichen mussten. Unsere ganze Hoffnung lag nun also auf dem kommenden Tag.

Freitag, 07.09.: Schade, dass sich wieder zwei unserer Freunde verabschieden wollen. Sie glaubten nicht mehr an die Möglichkeit einer großen Bergtour, und per Zufall ergab es sich, dass Sie eine günstige Mitfahrgelegenheit nach Hamburg bis vor die Haustür gefunden hatten. Mittlerweile waren wir nur noch zu zehnt. Und man glaubt es kaum – es waren uns von heute an noch zwei wunderschöne Tage, tolle Touren und herrliche Ausblicke vergönnt. Pünktlich nach dem Frühstück schien wieder die Sonne, der Wind hatte die Wolken weggeblasen, und es gab wieder strahlend blauen Himmel. Wir konnten also doch noch die letzte Nacht – wie geplant – auf der Zupalsee-Hütte verbringen. Der Weg führte uns von Bichl über Prägraten und weiter zunächst talabwärts entlang der Isel bis nach in die Nähe von Virgen. Die schneeüberzuckerten Felswände waren ein wunderschöner Anblick. Nach gut drei Stunden gemütlichen Wanderns waren wir an der Zufahrt für das Hüttentaxi zur Wetterkreuzhütte angelangt. Um den eher eintönigen Aufstieg von etwa 1000 m auf 2106 m zu sparen, hatten wir für 7 Leute das Taxi bestellt, auf das wir allerdings noch eine Stunde warten mussten. Während dieser Zeit genossen wir die Sonne bei einem ausgedehnten Mittags-Picknick. Drei unserer schnellen und hart gesottenen Wanderer haben sich bereits ein wenig vorher abgesetzt, um den Aufstieg aus eigener Kraft zu bewältigen. Wir anderen haben in der Zwischenzeit den herrlichen Ausblick  an der Wetterkreuzhütte genossen, und ein kleines Schneeball-Depot vorbereitet, um unsere drei Aufsteiger gebührend zu empfangen. Sehr lange mussten wir gar nicht auf die drei warten. Und kurz zuvor traf dann auch der Hüttenwirt  ein,  so dass es sogar noch Kakao und Capuccino gab. Wir ließen es uns recht gut gehen und gingen danach gestärkt die letzten 1 ½ Stunden zur Zupalsee-Hütte (2346 m), eine urige kleine Privathütte mit Kaminstüberle und schönen Zimmern sowie Lagern. Wieder werden wir mit köstlichen Tiroler Speisen verwöhnt. An unserem letzten gemeinsamen Hüttenabend denken wir noch einmal an die vielen Erlebnisse der Tour und lassen den Tag mit Musik und Gesang und unserem „Hüttensong“ ausklingen.

Samstag, 08.09.: Eigentlich ist es viel zu schade, um direkt ins Tal abzusteigen, zumal wir vorsorglich  das Taxi ab Obermauren nach Kitzbühel  auf 17 Uhr umbestellt haben. Die Sonne frohlockt noch einmal zu einer ausgedehnten Tour, und zweien juckt es gar in der Nase, noch über den Gratweg, der schöne Ausblicke bis nach Südtirol bietet, zu gehen. Wir trennen uns und verfolgen noch lange ihren Weg über die Gipfel. Wir anderen gehen zunächst auf dem sehr leichten Weg etwa eine Stunde in Richtung Merschenalm. Hier müssen wir uns entscheiden – absteigen oder die Tour bis zum späten Nachmittag ausdehnen. Da wir bereits zwei Tage mehr oder weniger pausiert haben, entscheiden wir uns für letztere Variante. Das heißt: noch einmal aufsteigen, dann auf einem längeren Stück mehr oder weniger eben wandern und dann zur Lasörling-Hütte auf 2350 m wieder absteigen. Der Weg führte uns durch einige Schneefelder, nicht schwierig, aber an manchen Stellen versanken wir doch recht tief.  Nach weiteren drei Stunden waren wir an der Hütte, auf der wir eigentlich übernachten wollten, angekommen. Nun sind wir zumindest noch einen Teil des Lasörling-Weges gegangen! In der Hütte gab es noch einen kleinen Imbiss, und von da an ging’s bergab – 1000 Höhenmeter in etwa 2 ½ Stunden. Zunächst noch auf einem schönen Wanderweg durch riesige Rhododendren-Hängen  (wie schön muss es hier im Juni aussehen!), vorbei an der Stadleralm, und später teilweise auf einem eher eintönige Fahrweg bis zum Café Schwoager, wohin wir dann unser Taxi bestellt haben. Dort trafen wir auch wieder mit unseren beiden Gipfelstürmern zusammen, die wir leider unterwegs nicht mehr über unsere erneute Tourverlängerung verständigen konnten. Im Bach nahmen einige zum Abschluss der Tour noch ein erfrischendes Bad. Bis zur vereinbarten Taxi-Abholzeit waren nun noch 40 Minuten Zeit – genug, um im Garten des Cafés auf die gelungene Hüttentour anzustoßen. Pünktlich um 17 Uhr war unser Großraum-Taxi da, fuhr uns nach Obermauren zum Auto und die anderen zum Zug nach Kitzbühel. Von dort ging es wieder zurück via München nach Hamburg. Eine schöne Woche geht zu Ende.

Wir möchten hier noch einmal die Gelegenheit nutzen, um uns bei allen Mitwanderern für die schönen Tage in Osttirol und die tolle Gemeinschaft zu bedanken. Es war ein nettes Miteinander in einer sehr harmonischen Gruppe, und es hat uns viel Spaß gemacht, mit Euch zusammen zu wandern. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste gemeinsame Tour.
Ramona und Axel