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Eine Woche auf Madeira

Es war nur eine kleine Schar von 9 Leuten, die sich Anfang Mai unter der Führung von Wilfried Haaks von der Bergsteigergruppe und der Logistik des Summit-Club zum Wandern auf Madeira einfand. Jeden Morgen wurden wir von einem Kleinbus vor unserem Hotel im Zentrum von Funchal abgeholt und irgendwo in den Bergen ausgesetzt. Bergig ist die Insel wahrhaftig. Senkrecht steigen die Klippen Hunderte von Metern aus dem Meer, das Innere ist zerklüftet von tiefen engen Schluchten. An diesen entlang führen in mehreren Etagen waagrechte Bewässerungskanäle, begleitet von schmalen Pfaden hart am Abgrund. So eng ist der Platz manchmal, dass Tunnels in den Fels gehauen wurden, die wir gebückt und mit Taschenlampe passierten. Um von einer Etage zur anderen oder zur nächsten Schlucht zu gelangen, ging's häufig steil und auch anstrengend bergauf oder bergab. Immer wieder aber begleitete und kühles klares Wasser aus Quellen, stürzte von hohen Wasserfällen in eiskalte grüne Gumpen, tröpfelte von bemoosten Felswänden, strömte in steinernen Rinnen neben dem Weg und erfrischte Kehle wie Füße.

Was uns aber noch mehr begeisterte, war die ungeheure Blumenpracht. Auf jedem Weg entdeckten wir neue, oft exotische Blüten. Sie überwucherten brache Felder, quollen aus Felsritzen, kletterten die Steilhänge hoch, ein einziger botanischer Garten.

So unternahmen wir jeden Tag eine andere Wanderung, mal durch verfilzte Wälder aus Baumheide, mal von Dorf zu Dorf, wo auf jedem nicht ganz vertikalen Stückchen Gelände auf kleinen Terrassen Gemüse gezogen wurde, mal mit Balkonaussicht aufs Meer hoch oben entlang der Steilküste, mal bei eiskaltem Wind mitten in den Wolken auf einem abenteuerlichen Gratweg zum höchsten Gipfel, bis der Himmel aufriss und den Blick freigab auf das Meer zu beiden Seiten der Insel. Am Nachmittag hieß es dann jeweils absteigen zu einer Straße, wo uns der Kleinbus abholen konnte oder zu einem Dorf mit einer Bushaltestelle. Manchmal dauerte es lang, bis der Bus kam, doch gab es immer eine schlichte Kneipe. Wilfried hatte dankenswerter Weise sich nicht nur Ortskenntnisse, sondern auch Grundkenntnisse in Portugiesisch angeeignet und war so in der Lage, den Wirtsleuten unsere Wünsche zu vermitteln. Diese bezogen sich vor allem auf den Landwein für 50 Cent das Glas oder den köstlichen hauseigenen Obstler für wenig mehr. Entsprechend fröhlich war die Stimmung, nur noch gesteigert, wenn wir abends in eins der zahlreichen Restaurants einfielen, dem portugiesischen Wein zusprachen und uns aufs Essen freuten.

Jedenfalls war es eine außerordentlich gelungene Unternehmung: Einige von uns planen bereits einen weiteren Besuch auf Madeira.

Hanna Dorenburg