
Der Alpenvereins-Hunderter
Zum ersten Mal war ich mit dem deutschen Alpenverein unterwegs. Jedes Jahr machen die Hamburger Alpinisten solch einen langen Kanten. Die meisten der Teilnehmer gehen nur diesen einen Hunderter im Jahr, da sie hauptsächlich ja bergsteigen und/oder klettern und nicht als Haupthobby das Sammeln von 100-km-Wanderungen haben.
Dieser Hunderter ist etwas anders als alle anderen Hunderter, die ich bisher gegangen bin. Das Tempo ist relativ niedrig bei ca. 5 km/h. Dafür sind dann auch die Pausen relativ knapp. Der Wanderleiter "Commandante" Heinrich Simon hat seine eigenen Wandertheorien und Erfahrungen aus seiner Praxis, die er bei diesen Wanderungen umsetzt. Die wichtigsten:
- Lange Pausen sind nicht gut, das bringt den Kreislauf zu viel durcheinander.
- Zu viel essen und trinken ist unterwegs nicht nötig.
- Einkehr in Gaststätten oder externe Verpflegung ist verzichtbar. Was man konsumieren möchte nimmt man mit.
Gestartet wird am Morgen und es gibt eine 60- km-Tagroute und eine 40-km-Nachtroute. Das ganze dauert ca. 23 Stunden.
Die frühe Startzeit in Wittensee bedingte, dass ich schon recht früh aufstehen musste. Bereits um 4:10 Uhr am Morgen wurde ich abgeholt. Um 6 Uhr war der Start mit 9 Teilnehmern. Wanderfreund Flemming war schon am Abend aus Dänemark angereist.
Die ersten Stunden waren von Regen bestimmt. Auffällig: Alpinisten tragen gern Gamaschen, was ich bei anderen Märschen noch nicht gesehen hatte. Alpinisten kennen sich auch gut mit dem Wetter aus, und auch die Entfernungen können recht sicher geschätzt werden und wurden immer wieder mit der Karte abgeglichen.
Die Strecke war landschaftlich sehr schön. Zeitweise ging es am Nord-Ostsee-Kanal entlang. Dann auch am ehemaligen Eiderkanal. Ca. alle drei Stunden gab es eine offiziell angesagte "Trinkpause". Auch Toilettenstopps wurden angesagt wenn eine längere Strecke durch offene Landschaft oder Ortschaften anstand.
Nach 60 km waren wir wieder an den Autos und konnten uns umziehen und auch in Ruhe etwas länger Pause machen, bevor es dann in die Nacht ging. Mit 7 Wanderern gingen wir dann nach Norden auf die 40-km-Schleife. Die ganze Strecke war gut vorbereitet und mehrfach vorgewandert worden. So ging es über viele kleine Wege und Pfade, die nicht unbedingt als Wanderweg vorgesehen waren. Auch die Nachtstrecke schien landschaftlich recht reizvoll, auch wenn man vieles nur erahnen konnte.
Die letzten 20 km fielen mir dann doch nicht so leicht wie ich aufgrund des langsamen Tempos erhofft hatte. Die lange Wanderzeit und das frühe Aufstehen forderten ihren Tribut. Zwar waren die Füße trotz einiger entstandener Blasen halbwegs o.k. und machten keine größeren Probleme und auch der Kopf war im Prinzip von der Motivation her völlig o.k. Aber die Belastung führte dazu, dass ich die letzten Stunden in der Dunkelheit relativ stark schwankend gegangen bin. Ich konnte einfach nicht mehr konzentriert geradeaus gehen. Gerade so wie etwas ein Betrunkener auch gehen würde. Beim Betrachten des Mondes stellte ich dann fest, dass dieser hin und her zuckelte in meiner Wahrnehmung, was er ja eigentlich sonst nicht so macht ...
Ich versuchte mit allen möglichen Tricks dagegen anzugehen: Ultrabuffer trinken, salzige Heringe naschen, ab und zu ein Ultra-Gel-Chip in die Wangentaschen, kleine Espressobohnen in Schokomantel naschen. Aber der Erfolg war immer nur kurzzeitig oder kaum wahrnehmbar. Es wurde erst besser als es endlich kurz vor Schluss heller wurde.
Schon auf der Rückfahrt als Beifahrer von Wanderleiter Simon hatte ich Mühe mich wach zu halten. Immer wieder nickte ich ein. Auch der Wanderleiter hatte seine Mühe konzentriert zu fahren. Wir machten daher noch eine kurze Rast unterwegs. Schlussendlich bin ich aber gut zu Hause angekommen. Die Dusche, der Schlaf danach, das Frühstück und dann das Entspannungsvollbad in der Badewanne der Nachbarin waren dann herrlich. Und schon jetzt geht das Bilderhochladen und Berichtschreiben schon wieder.
Vielen Dank an die Organisatoren des DAV, insbesondere an Wanderleiter Simon für die gute Streckenplanung dieses etwas anderen Hunderters.
Martin Schmitz








